Grundsatzposition Bildung & Schule


LERNFABRIKEN ABSCHALTEN Für uns stellen Wissensvermittlung, Kompetenzförderung und Persönlichkeitsentwicklung die zentralen Säulen des Bildungsbegriffs dar. Somit sehen wir auch die Institution Schule in der Verantwortung, jede dieser Säulen im Schulalltag zu berücksichtigen und umzusetzen. Um dem Ideal einer Schule, deren Aufgaben weit über die pure Wissensvermittlung hinausgehen, näherzukommen, müssen einige Rahmenbedingungen gegeben sein, auf deren Grundlage sich ein partizipatives, demokratisches, inklusives und individuell zugeschnittenes Schulleben entwickeln kann. Zu diesen Rahmenbedingungen zählen der freie Zugang für jeden, der Abbau von Autorität und Hierarchien innerhalb des Schullebens, die Lehr- und Lernmittelfreiheit, die Kostenfreiheit des Schulwegs sowie der Abbau des Sanierungsstaus an sächsischen Schulen.

Zunächst müssen die Selektivität bei der Zugänglichkeit der Schulen aufgehoben und alle Schulen in ökonomischer, politischer, sozialer und kultureller Hinsicht frei zugänglich gemacht werden. Dies gilt im Sinne des lebenslangen Lernens auch für Abschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg und ebenso für Fort- und Weiterbildungsangebote, beispielsweise an den Volkshochschulen. Damit die Forderung nach einem selektionsfreien Zugang auch über die Bundeslandgrenzen hinaus haltbar ist, gilt nur eins: den Bildungsföderalismus abschaffen! Schüler_innen müssen ihre Schule über die Bundeslandgrenzen hinweg problemlos wechseln können. Dazu sind bundesweit einheitliche Schul- und Prüfungssysteme sowie Bildungsrichtlinien erforderlich.

Bildungsinhalte

Eine Kritik an Lehrplänen an sich darf nicht ausbleiben. Diese Pläne enthalten ausgewählte Lehr- und Lerninhalte, die während eines bestimmten Zeitraums von den Lernenden im Unterricht angeeignet werden sollen. An den Lehr- und Erziehungszielen sollen sich die Lehrenden orientieren. Die Inhalte und Ziele werden aber ohne Beteiligung der Schüler_innen in die Pläne aufgenommen. Deren individuelle Fähigkeiten und Bedürfnisse werden kaum beachtet. Wenn wir selbstbestimmte Bildung fordern, dann muss die Hoheit des zu Lernenden bei den Lernenden liegen. Selbstbestimmung muss jedoch erlernt werden, es darf niemand allein gelassen werden, was durch Bildungsstandards oder Rahmenpläne gewährleistet werden kann. Es sollte insgesamt mehr oder weniger umfangreiche, abgestufte und verbindliche Festlegungen darüber geben, was an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Fächern und Lernbereichen notwendig ist, um in der Welt kompetent zu handeln. Mit einem Grundgerüst und der Orientierung an den Möglichkeiten der Lerninhalte kann dann jede_r Schüler_in selbstbestimmt entscheiden, was wie vertieft wird. Die Lehrkräfte sollen die Lernenden unterstützen statt sie anzuleiten, sollen Selbstbestimmung ermöglichen statt Inhalt und Methode vorzugeben.

Alternative Schulkonzepte und demokratische Teilhabe

Des Weiteren fordern wir, dass entweder das Angebot staatlicher Schulen und Schulkonzepte erweitert wird oder Schulen mit alternativen Schulprofilen finanziell ebenso unterstützt werden wie jene in staatlicher Trägerschaft. So soll Schüler_innen Raum für ihre persönliche Schwerpunktsetzung sowie für ihre persönlichen Lernformen gegeben werden. Schulen in privater und kirchlicher Trägerschaft hingegen müssen restlos abgeschafft werden. Auch die Abschaffung der Oberstufenreform und damit einhergehend die Erhöhung der Wahlmöglichkeiten bei der Fächerbelegung kommen der Berücksichtigung individueller Stärken und Schwächen eines/r jeden zugute.

Wir fordern partizipative Gestaltungsmöglichkeiten in jeder Facette des Schulalltags. Die Mitentscheidungs- und Mitbestimmungsrechte der Schüler_innen und auch der Lehrer_innen sollen gestärkt werden. Als höchstes beschlussfassendes Gremium wäre ein Schulplenum als Vollversammlung der Schüler_innen- und Lehrer_innenschaft denkbar. Dieses sollte bei der Profilgebung der Schule, dem Schulleitbild, der Einstellung von Lehrkräften, bei bestimmten Veranstaltungen, der Schulhausgestaltung und bei der Wahl der Essensanbieter entscheiden. Indem die Schulautonomie deutlich gestärkt wird, sollen sich die Schüler_innen als mündige und eigenständig agierende Kinder und Jugendliche begreifen und lernen, Verantwortung für sich und ihre Mitmenschen zu übernehmen. Schule muss wieder Spaß machen und das passiert nicht von selbst! Die Schule muss sich den Schüler_innen anpassen und nicht umgekehrt.

Der Lebensraum Schule

Ein viel diskutierter Punkt im Zusammenhang von Eigenverantwortung und Schule als Lern- und Lebensraum ist die Anwesenheitspflicht. Wir finden generell, dass Zwänge und Pflichten einen Gegensatz zur emanzipatorischen Lebensgestaltung darstellen. Wir wollen niemanden “zu seinem Glück zwingen”. Vielmehr hat Schule die Aufgabe, Bildung attraktiv zu gestalten. Schüler_innen müssen sich dort wohl fühlen, gern hingehen und vor allem selbstbestimmt entscheiden, wann und wie sie den Ort Schule wahrnehmen. Es darf nicht passieren, dass junge Menschen aufgrund ihres Umfeldes nicht die Vorzüge einer solchen Schule kennenlernen oder ferngehalten werden. Mit diesen Bedenken und die Verantwortung der Schule einfordernd wollen wir weg von einer Anwesenheitspflicht, hin zum lohnenswerten Angebot Schule.

Unterricht gestalten

Innerhalb des Unterrichts blieben bisher viele Gestaltungs- und Verbesserungsmöglichkeiten ungenutzt. Die Methodik und Didaktik aller Lehrer_innen sollen während einer Lehrevaluation einmal im Schuljahr diskriminierungsfrei und verpflichtend durch alle Schüler_innen eingeschätzt werden. Eine gewählte Kommission - bestehend aus der Schüler_innenschaft, der Lehrer_innenschaft und den Sozialarbeiter_innen - soll für jede Lehrkraft eine kurze Einschätzung in Form eines Schüler_innen-Feedbacks erarbeiten. Ziel dieser Vorgehensweise soll sein, derzeit gängige Unterrichtsmethoden, insbesondere den Einsatz des Frontalunterrichts, zu reflektieren und gegebenenfalls zu minimieren. Der Frontalunterricht ist eine hauptsächlich in großen homogenen Gruppen angewandte Methode. Alle Lernenden werden gemeinsam und in gleicher Weise unterrichtet. Neues Wissen kann von der Lehrkraft vielen Lernenden dargeboten werden, ist also für die Lehrenden ökonomisch. Diese Methode schafft jedoch Probleme: Vernachlässigung der Selbstständigkeit der Schüler_innen, Verhinderung von Interaktionen und absolut gleiche Lernziele für alle. So aber wird einer selbstbestimmten Bildung entgegengewirkt und die individuelle Leistungsfähigkeit der Schüler_innen nicht beachtet, was letztlich dazu führt, dass nicht alle das Gleiche aufnehmen werden.

Wir wollen weg von einem lehrer_innenzentrierten Unterricht, hin zu interdisziplinären und vielseitigen Unterrichtsmethoden, die schüler_innenzentriert sind.

Der Ton macht die Musik: Noten abschaffen

Wir wollen neue Bewertungsmethoden. Dies soll keine Bewertung im Sinne eines Zeugnisses sein, sondern vielmehr ein Anstoß zur kritischen Reflexion der Lehrweisen und zur ständigen Verbesserung der Unterrichtsqualität. Doch nicht nur für Lehrer_innen erachten wir die Bewertung im Noten- und Punktesystem als zu rationalisiert und als nicht aussagekräftig und konstruktiv. Die Bewertung sollte auch für Schüler_innen in Form von Lernentwicklungsberichten und als Feedback zum Lernfortschritt erfolgen. Dementsprechend soll auch die Vergabe von Ausbildungsplätzen nicht durch Noten geschehen, die selten etwas über die Eignung in der jeweiligen Fachrichtung aussagen, sondern jede_r soll die gewünschte Ausbildung erhalten. Andernfalls müssen bei zu vielen Bewerber_innen auf zu wenige Plätze fachliche Eignungstests durchgeführt werden.

Bessere Betreuung in der Bildung

Ein verbesserter Betreuungsschlüssel und die Verringerung der Klassenstärke können die Umgestaltung der Schule als Massenabfertigungsanstalt des Auswendiglernens hin zu einem Ort der langfristigen und partizipativen Wissensvermittlung maßgeblich vorantreiben. Nicht nur für die Umsetzung eines inklusiven Schulkonzepts, sondern auch für die Umsetzung des Anspruchs auf individuelle Förderung sowie der Schule als Bildungs- und Persönlichkeitsentwicklungsstätte sind mehr als nur eine Lehrkraft pro Schulklasse und Unterrichtseinheit vonnöten. Auch der flächendeckende Einsatz von Schulsozialarbeiter_innen und Schulpsycholog_innen ist längst überfällig. So werden die Schüler_innen- und die Lehrer_innenschaft in Aufgabenbereichen wie der Organisation der Schulplenen, der Verbesserung des Schulklimas und der Umsetzung von Projekttagen maßgeblich unterstützt. Praxis und Praxisnähe des Unterrichts sind eine wichtige Orientierungshilfe für die Schüler_innen nach dem Abschluss. Deshalb fordern wir ein jährliches freiwilliges Schüler_innenpraktikum von mindestens vier Wochen ab der 8. Klasse. Regelmäßige inner- und außerschulische Projekttage, Exkursionen und Vorträge sollen den Unterricht zusätzlich bereichern.

Eine Gesamtschule für alle

Die Abschaffung des gegliederten Schulsystems ist für uns ein elementarer Bestandteil hin zu einer emanzipatorischen Bildung. Wir wollen weder ein pseudoelitäres Gymnasium noch eine Stigmatisierung durch Ober- oder Förderschule. Die Trennung nach der 4. Klasse sorgt nicht für eine optimale und differenzierte Förderung, sondern lediglich für eine verstärkte soziale Separierung der Gesellschaft. Darüber hinaus ist es schlicht und einfach absurd: Die Bildungsempfehlung erfolgt für den größten Teil der Schüler_innen nachweislich willkürlich. Viele Potentiale werden erst im Laufe der Zeit sichtbar und die Noten sind für eine eindeutige Zuordnung zu einer Schulform in den häufigsten Fällen nicht aussagekräftig. Da die Schulbiografie die Schüler_innen das ganze Leben lang begleitet und prägt, werden ausgerechnet die Jüngsten unter Druck gesetzt, anstatt ihnen ein angstfreies Lernen zu ermöglichen. Weiterhin ist es absurd, dass an den Grund- und Oberschulen weniger Geld pro Schüler_in ausgegeben wird und Grund- und Oberschullehrer_innen schlechter bezahlt werden als ihre Kolleg_innen an den Gymnasien und Förderschulen. Wir wollen daher ein gemeinsames Lernen an einer Schule bis zum angestrebten Schulabschluss, mindestens also bis zur 10. Klasse.

Ersetzt werden sollen die bestehenden Schulformen durch eine Gesamtschule für alle. Wir wollen keine soziale Auslese, sondern das gemeinsame Lernen der Schüler_innen fördern. Dabei sind Hilfestellungen unter den Schüler_innen keine Einbahnstraße, sondern festigen das Wissen der Helfenden und fördern die sozialen Kompetenzen. Um den unterschiedlichen Begabungen, Fähigkeiten und Interessen der Schüler_innen Rechnung zu tragen, soll innerhalb der Gesamtschule differenziert werden. Vertiefte Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen helfen ohnehin allen, um einen eigenständigen Zugang zur Gesellschaft zu erlangen. Alles andere soll jedoch über Neigungswahl und unter Mitbestimmung der Lehr- und Lerninhalte innerhalb einer Schule gestaltet werden können, individuell und selbstbestimmt.

Inklusive Bildung

Bildung muss allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein, egal welche Voraussetzungen sie mitbringen oder die Umstände ihnen mitgeben, egal ob mit sogenannter Beeinträchtigung oder Hochbegabung. Teilhabe an Bildung soll nicht an Defiziten, sondern an Fähigkeiten und Möglichkeiten orientiert werden. Daher fordern wir ein inklusives Bildungssystem ganz im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention. Dazu gehören auch Sensibilisierung für das Thema Behinderung und Aufklärung über Lebenslagen. Der Grundstein einer Gesellschaft wird in der Schule gelegt, also muss dort begonnen werden.

Ganz konkret fordern wir die umfassende Barrierefreiheit aller Bildungseinrichtungen, die Gesamtschule für alle und damit die Auflösung von Förderschulen. Personell müssen die Schulen sowohl über ausreichend Pädagog_innen als auch über ausgebildete Förderschullehrer_innen verfügen. In jeder Klasse bzw. Lerngruppe soll es mindestens zwei Lehrkräfte geben - bei einem kleineren Klassenteiler. Fort- und Weiterbildungen sind eine selbstverständliche Notwendigkeit. Auch müssen Sachsen und der Bund mehr finanzielle Mittel bereitstellen, um das Ziel einer inklusiven Bildung zu verwirklichen.

Mobilität

Nur ein kostenloses Schüler_innen-Ticket gewährleistet freie Zugänglichkeit der sächsischen Schulen. Neben dem kostenlosen Schulweg spielt auch die Erreichbarkeit eine wichtige Rolle. Wir fordern: kurze Wege für kurze Beine - und für alle anderen natürlich auch! Damit die Schulwege so kurz wie möglich bleiben, sprechen wir uns vehement gegen alle geplanten Schulschließungen aus, vor allem im ländlichen Raum. Der Weg zur Schule von über einer Stunde ist unzumutbar. Dieser Mangel kann nur durch regelmäßig fahrende Schul- und Linienbusse beseitigt werden.

Wir fordern:

Eine Schule für alle

Inklusive Bildung und Abschaffung sogenannter Förderschulen

Gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse in wohnortnahen Bildungszentren

Besseren Betreuungsschlüssel

Stärkere Beteiligung der Schüler_innen an der Erarbeitung der Lerninhalte, die Lehrpläne sollen zu Rahmenplänen abgespeckt werden

Ersetzung der Noten durch alternative Bewertungskonzepte

Anwesenheitspflicht abschaffen

Anwendung schüler_innenzentrierter Methoden, der Frontalunterricht soll auf ein Minimum reduziert werden

Kostenloses Schüler_innen-Ticket

Zusammenarbeit des Landes Sachsen mit der Bundeswehr in der Bildung beenden

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  • 26. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "It's not just boys' fun - Geschlechterbilder in der radikalen Linken" (Bautzen)
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  • 27. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "No future for you? Punk als Avantgardebewegung" (Glauchau)
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  • 28. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "It's not just boys' fun - Geschlechterbilder in der radikalen Linken" (Chemnitz)
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  • 29. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "No future for you? Punk als Avantgardebewegung" (Dresden)
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  • 30. Oktober 2018, 19:00 Uhr: "Der postapokalyptische Film als männliches Narrativ" (Leipzig)
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  • 25. November 2018, 12:30 Uhr: BR-Sitzung (Dresden)
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  • 14. Dezember 2018: BR-Klausur (Cunnersdorf)
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  • 15. März 2019: Landesjugendplenum
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